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Alfa Romeo Giulia

Die vom Wind geformte Limousine

Ein authentischer Alfa Romeo mit ausgeklügelten Lösungen bei Mechanik, Karosserie und Aerodynamik, die ihm jenen sportlichen Charakter verleihen, der ganz in der Tradition des Emblems mit der Schlange steht. Das Modell debütiert mit dem berühmten Doppelwellenmotor, dessen Hubraum auf 1,6 Liter erhöht wurde, der später durch den klassischen 1300 ergänzt wurde. Es wurde zum Symbol der italienischen Sportlimousinen, zur Basis für die siegreichen Sprint GT und den legendären Spider.

1600 Fünfgang

Die Giulia T.I. nahm in der Modellpalette von Alfa Romeo eine Position oberhalb der Giulietta ein. Die Entwicklung einer Limousine, die die bereits herausragenden Eigenschaften der Giulietta noch übertraf, war eine Herausforderung. Der Motor, weiterhin längs vorne eingebaut und mit einem Fünfganggetriebe sowie Hinterradantrieb ausgestattet, wurde von 1290 ccm (1300) auf 1570 ccm gesteigert, was einem Volumen von 1,6 Litern entsprach. Die vordere Einzelradaufhängung mit Querlenkern erhielt eine Verbesserung durch schräge Verbindungsstangen, die zu einer höheren Fahrstabilität beitrugen. An der Hinterachse wurden die Längslenker aus einem Kastenprofil gefertigt und tiefer positioniert als bei der Giulietta. Diese konstruktive Lösung ermöglichte nicht nur eine modernere, sondern auch schlankere Silhouette der Limousine.

Aerodynamik

Obwohl die Karosserie der Giulia aus heutiger Sicht kantig erscheint, war das Modell in puncto Aerodynamik seiner Zeit voraus. Die ausgeprägte Neigung und die seitliche Wölbung der Windschutzscheibe und die tiefen Sicken, die sich über die gesamte Seitenlinie bis zum markanten Heck zogen, trugen dazu bei, den Luftwiderstand spürbar zu reduzieren. Deshalb wurde die Giulia sogar mit dem Slogan „Die vom Wind geformte Limousine“ beworben. Besonders bemerkenswert war, dass die Giulia zu den ersten Fahrzeugen zählte, bei denen Windschutz- und Heckscheibe als strukturelle Elemente genutzt wurden, um dem Auto eine höhere Torsionssteifigkeit zu verleihen.

Dynamik und Symmetrie

Der Metallkühlergrill mit vier Scheinwerfern, darunter zwei kleinere Innenleuchten, verlieh dem Fahrzeug einen markanten Ausdruck. In der Mitte befand sich das klassische Alfa-Romeo-Emblem, während die verchromten Stoßfänger mit Spikes die Front betonten. Auffällig waren auch die symmetrischen Scheibenwischer, deren Bögen von der Innenseite zur Außenseite verliefen. Hinzu kam der charakteristische Kofferraum: Die Vertiefung im mittleren Teil des Kofferraumdeckels sowie die tiefe Einfassung des vertikalen Abschnitts, der nach innen führte, gaben dem Heck eine unverkennbare Form.

Sitzbank für drei

Der Innenraum war großzügig und geräumig: Sowohl vorne als auch hinten waren die Sitze als durchgehende Sitzbänke ausgeführt. Dank der Lenkradschaltung war die Giulia für sechs Personen zugelassen – jeweils drei auf der vorderen und drei auf der hinteren Sitzbank. Der Kofferraum präsentierte sich groß und gut proportioniert, während die Bremsanlage über vier Trommelbremsen mit drei selbstzentrierenden Bremsbacken vorne verfügte – eine ebenso ausgeklügelte wie seltene Lösung.

Das Debüt in Monza im Jahr 1962

Die offizielle Präsentation auf dem Autodrom von Monza am 27. Juni 1962 hob das sportliche Profil der neuen Alfa-Romeo-Limousine hervor, die zunächst auf den Fertigungslinien des ruhmreichen Werks in Portello produziert wurde, aber kurz darauf, noch vor dessen Einweihung, in das Werk in Arese verlegt wurde. Eine der Anekdoten im Zusammenhang mit der Präsentation auf der Rennstrecke von Monza besagt, dass viele Journalisten nicht bemerkt hätten, dass die Schaltung mit dem damals üblichen Schalthebel am Lenkrad zusätzlich einen fünften Gang besaß.

Turismo Internazionale

Der Doppelnockenwellenmotor mit 1.570 ccm verfügte über einen speziellen vertikalen Doppelvergaser mit Unterdrucksystem, das den zweiten Vergaserkörper nur dann öffnete, wenn mehr Leistung benötigt wurde. Mit seinen 90 PS sorgte er für ein begeisterndes Motordröhnen. Das Fünfganggetriebe erlaubte es zudem, die kraftvolle Beschleunigung schon bei niedrigen Drehzahlen optimal auszuschöpfen. Der Name der Debütversion lautete Alfa Romeo Giulia T.I. (Turismo Internazionale). Die Bezeichnung spielte bereits auf den sportlichen Einsatz an, genau wie die „Giulietta t.i.“, das Einstiegsmodell für eine Generation von Rennfahrern, darunter Jochen Rindt, Formel-1-Weltmeister von 1970.

Der legendäre T.I. Super

Kaum ein Jahr war vergangen, da wurde – wieder auf der Rennstrecke von Monza – die noch leistungsstärkere Version vorgestellt: die Alfa Romeo Giulia T.I. Super. Der Motor, den sie sich mit der Giulia SS teilte, Nachfolgerin der Giulietta SS (Sprint Speciale), verfügte über zwei 45er-Doppelvergaser von Weber und leistete 113 PS. Das Getriebe verfügte über eine Schalthebelbedienung, geteilte Sitze, vor allem aber wog das Fahrzeug 100 kg weniger. Die Gewichtsreduzierung und der deutlich leistungsstärkere Motor steigerten die Höchstgeschwindigkeit von 169 auf 189 km/h. Ab September 1963 wurden zunächst optional und später serienmäßig vier Scheibenbremsen anstelle der vormals verwendeten Trommelbremsen verbaut. Diese Umstellung wurde bei sämtlichen Giulia-Modellen konsequent angewendet.

Quadrifoglio

Die Giulia T.I. Super wurde von 1963 bis 1964 in einer Auflage von nur 505 Exemplaren gefertigt (509 Fahrgestellnummern, ein Fahrzeug erhielt eine neue Fahrgestellnummer, drei Fahrzeuge wurden nicht produziert). Sie war an den grünen Kleeblättern zu erkennen, wie die sportlichsten Alfa-Modelle, an der weißen Lackierung (mit Ausnahme von drei Fahrzeugen in Graphitgrau und zwei in Polizei-Grau-Grün), ohne Stoßstangenverkleidungen und vor allem daran, dass die beiden mittleren Scheinwerfer durch Metallgitter ersetzt waren, die wie die Scheinwerfer gewölbt waren und dazu dienten, den Luftstrom in den Motorraum zu erhöhen – sowohl für die Ansaugung als auch für die allgemeine Kühlung.

Modellstart der Giulia 1300

Das Alfa-Management war der Ansicht, dass der bewährte Doppelnockenwellenmotor 1300 der Giulietta t.i. zur Erweiterung des Angebots beitragen konnte, wobei die Listen- und Betriebskosten etwas unter denen des 1600 lagen. Die bis 1967 produzierte erste Version der Giulia 1300 mit 80 PS und Vierganggetriebe führte den Kühlergrill mit nur zwei Scheinwerfern und ohne Stoßstangenhörner ein.

Goldplakette

1965 wurde die erste bedeutende Modellpflege nach dem kurzlebigen Rennwagen T.I. Super durchgeführt. Auf dem Genfer Autosalon präsentierte Alfa Romeo die Giulia 1600 Super, die die erste Limousine 1600 T.I. flankiert: Das Fahrzeug war innen und außen eleganter gestaltet, verfügte über etwas mehr Chrom, stärker hervortretende Rückleuchten, eine hochwertigere Innenausstattung, ein neues Armaturenbrett mit runden Instrumenten, ein reines Schalthebelgetriebe, geteilte Sitze und eine geformte Rückbank. Die vier Scheibenbremsen wurden nun von einem Bremskraftverstärker gesteuert. Auch unter der Motorhaube besaß der Zweiventilmotor zwei 40-mm-Doppelvergaser und leistete 98 PS bei 175 km/h. Die bis 1967 produzierten Modelle erkannte man an dem größeren, zweiteiligen Wappen auf dem Kühlergrill, dessen oberer Teil fest mit der Motorhaube verbunden war, sowie an zwei kleinen goldfarbenen Emblemen an den hinteren Säulen: zwei runde Wappen mit dem Mailänder Kreuz und der Schlange.

Der 1300 mit mehr PS

Die Übernahme der Mechanik der Giulietta war etwas zu enttäuschend gewesen, weshalb im Februar 1966 neben dem 1300 auch die Version 1300 T.I. mit 5 PS mehr (85 PS) und einem 5-Gang-Getriebe auf den Markt kam: Die Fahrleistungen hatten sich verbessert, und damit auch die Verkaufszahlen. Gleichzeitig verzichtete der 1600 T.I., der weiterhin neben dem 1600 Super angeboten wurde, auf die horizontal angeordnete Instrumententafel und übernahm stattdessen die runden Instrumente des Super.

Komplette Modellpalette

Von 1967 bis 1968 umfasste die Modellpalette folgende Fahrzeuge: Giulia 1300, 1300 T.I. und 1600 Super. Letztere trug das Wappen vollständig auf dem Kühlergrill und das Schlangen-Emblem an der hinteren Säule anstelle der goldenen Plakette. Die Unterscheidung bei den Scheinwerfern blieb bestehen: zwei beim 1300 und vier beim 1600, während die Kühlergrills beim 1300 nur drei und beim 1600 fünf Chromleisten mit schwarzem Gitter dahinter aufwiesen. Die Motorleistungen blieben unverändert.

Der neue Super

Mit minimalen Änderungen, die eher das Interieur und die Preislisten als die Mechanik aktualisierten, wurde der 1300 mit 80 PS aus dem Programm genommen, der Super 1600 steigerte seine Leistung auf 104 PS, doch der 98-PS-Motor blieb bis 1970 für die Giulia 1600 S erhalten. Nur folgende Modelle blieben übrig: der Super 1300 (88 PS) und der Super 1600 (104 PS). Im April 1972 vereinheitlichte Alfa Romeo das Erscheinungsbild dieser beiden Modelle und stattete auch den 1300 mit dem Kühlergrill mit vier Scheinwerfern aus. Das eigentliche Facelifting erfolgte jedoch 1974, als Alfa den „Nuova Super“ einführte, ebenfalls in den beiden Motorisierungen, mit flachem Kofferraum, Kühlergrill mit schwarzer Kunststoffbasis und breiterem Wappen. Er blieb bis 1978 in Produktion, und 1976 wurde die Modellpalette durch die Einführung des „Nuova Super Diesel“ erweitert: ausgestattet mit einem „Perkins“-Dieselmotor, der ursprünglich für Nutzfahrzeuge entwickelt worden war.

1750, 2000, GT und Spider

Die Geschichte der Alfa Romeo Giulia, die 1962 begonnen hatte, endete nach gut sechzehn Jahren und umfasste eine ganze Reihe erfolgreicher Modelle: 1968 erschien die Limousine 1750, die 1971 zum 2000 wurde – ein elegantes, größeres und luxuriöseres Flaggschiff, das die weiterentwickelte Technik der siegreichen, von Bertone entworfenen Coupé-Versionen Sprint GT nutzte. Die Giulia GT dominierten die weltweite Rennszene: vom Giulia Sprint GTA über den GTA 1300 Junior bis hin zu den Weiterentwicklungen 1750 GT Am, bei denen der Hubraum auf zwei Liter anwuchs. Weniger leistungsstark, aber mit gleichem Hubraumwachstum – zunächst 1750, dann 2000 – waren auch die Motoren der offenen Versionen, die noch länger als Limousine und Coupé produziert wurden: vom Alfa Romeo Spider, entworfen von Pininfarina und in Produktion von 1966 bis zur vierten Serie von 1990, bis hin zum legendären „Duetto“, der bis 1993 gebaut wurde.

Der T.I. Super im Rennsport

Bevor Alfa Romeo ab 1965 mit den GTA-Modellen die Rennstrecken dominierte, überzeugte die Giulia T.I. Super bei Wettbewerben der Tourenwagen-Europameisterschaft sowie im Rallye- und Bergrennsport. Ihre Leistung, Wendigkeit und Ausdauer beeindruckten Experten besonders bei der herausfordernden Tour de France Automobile 1963, wo sie die GT-2000-Klasse gewann – obwohl er noch keine Tourenwagen-Homologation besaß und deshalb in einer höheren Kategorie startete. Mit den Fahrern Masoero und Maurin belegte das Team zudem den fünften Rang in der Gesamtwertung.

Protagonistin in Uniform

Die Alfa Romeo Giulia war das bekannteste Modell, das von den italienischen Ordnungskräften genutzt wurde. Sowohl Carabinieri als auch Polizei setzten über viele Jahre auf ihre beeindruckende Leistung und ihren großzügigen Kofferraum, der ideal für die Ausrüstung der Streifenwagen war. Zwei Jahrzehnte patrouillierten diese Fahrzeuge durch Italiens Städte und Straßen. Die legendären Verfolgungsjagden aus den Filmklassikern der 1970er Jahre zeigen ein turbulentes Jahrzehnt in Italien, in dem die Polizei mit Hilfe der starken Giulia Gewalt und Kriminalität bekämpfte.

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